Jeannine Sontag

14. Juni 1925 - 20. August 1944

Sabotage gegen die Besatzer

Frankreich

Kindheit

Jeannine Sontag wird 1925 in Zürich als Jetty Sontag geboren. Ihre Eltern stammen aus Polen und besitzen ein Textilunternehmen.

Jeannine Sontag und ihr jüngerer Bruder Roger wachsen wohlbehütet auf. In der Familie werden jüdische Traditionen gepflegt. Seit Anfang der 1930er Jahre lebt die Familie in Straßburg im Elsass.

Nach der Grundschule besucht Jeannine Sontag ein Gymnasium.

Lyon - Jugend und Widerstand

Nach der deutschen Besetzung des Elsasses 1940 flüchtet Jeannine Sontag mit ihrer Familie nach Lyon. Dort betreiben die Eltern eine kleine Wäscherei. Jeannine Sontag erlernt ab 1942 wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Familie den Beruf der Sekretärin. Sie möchte eigentlich studieren.

Ab Ende 1943 wird das Leben für die jüdische Familie Sontag immer schwieriger. Auflagen, Verbote und Beschränkungen bestimmen den Alltag. Die nun 18-jährige Jeannine Sontag möchte sich gegen das Unrecht wehren. Sie schließt sich gemeinsam mit einer Freundin einer lose organisierten Widerstandsgruppe an. Sie schmuggeln Dokumente und Briefe zwischen Lyon, Grenoble, Chambéry und anderen Orten in der Region.

Aktion „Autowerkstatt Gambetta“

Jeannine Sontag schließt sich im Frühjahr 1944 dem Lyoner Bataillon Carmagnole an, das zur Widerstandsgruppierung Francs-tireurs et partisans (FTP) gehört. Sie nimmt den Tarnnamen „Jeannette“ an. Sie führen bewaffnete Aktionen und Sabotageakte gegen die deutschen Besatzer und die französische Milice durch.

Am 3. Juli 1944 greift Jeannine Sontag mit ihrer Gruppe die Werkstatt Gambetta an, wo Fahrzeuge der deutschen Wehrmacht repariert werden. Diese wollen sie zerstören. Doch die Aktion scheitert und der Ort wird von der französischen zivilen Polizeieinheit Groupes mobiles de réserve (GMR) umzingelt. Bei dem Versuch zu flüchten wird Jeannine Sontag festgenommen.

Inhaftierung und Ermordung

Nach der Festnahme wird Jeannine Sontag von der Gestapo verhört und misshandelt. Doch Jeannine Sontag verrät weder ihre Kameraden noch ihre eigene richtige Identität. Danach wird sie in das Gefängnis Montluc überstellt.

Von dort aus wird sie am 20. August 1944 in das Fort de Côte Lorette im Lyoner Vorort Saint-Genis-Laval gebracht. Dort wird Jeannine Sontag zusammen mit etwa 100 anderen Inhaftierten des Gefängnisses Montluc von deutschen Truppen und der Gestapo erschossen.

Erinnerung

Nach dem Krieg erreicht ihre Familie, dass Jeannine Sontag offiziell als Résistance-Kämpferin anerkannt wird.

In der ehemaligen Schule von Jeannine Sontag, dem heutigen Lycée Internationale des Pontonniers in Straßburg, wird 1986 ein Raum nach ihr benannt.

In Lyon, am ehemaligen Wohnhaus der Familie Sontag in der Rue Cuvier im 6. Arrondissement, erinnert seit 2016 eine Gedenktafel an sie.

Carmagnole - Die FTP-MOI-Einheit in Lyon

Die Gruppe Carmagnole, der sich Jeannine Sontag anschließt, ist die lokale Einheit der Widerstandsgruppe Francs-tireurs et partisans (FTP) in Lyon. Die FTP bilden die bewaffneten Einheiten des kommunistischen Widerstandes in Frankreich. Die FTP-MOI (Main d’oeuvre immigrée) sind die Einheiten innerhalb der FTP mit ausländischen Kämpferinnen und Kämpfern. Sie sind in Sprachgruppen aufgeteilt.

Viele Mitglieder sind junge Jüdinnen und Juden aus Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland. In den Gruppen in Lyon finden sich auch spanische, armenische und italienische Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer.

Die FTP-MOI sind ab Sommer 1942 in Lyon aktiv. Sie verstärken ihre Aktivitäten nach der deutschen Besetzung der Südzone im November 1942. Ihre Aktionen richten sich vor allem gegen die deutschen Besatzer und das Vichy-Regime. Sie sprengen Bahnlinien, begehen Sabotage-Aktionen und führen Anschläge auf Vertreter der deutschen Besatzungsmacht aus. So wollen sie ihre Feinde handlungsunfähig machen.

Die FTP-MOI-Einheiten und so auch Carmagnole tragen maßgeblich zum bewaffneten Widerstand und damit zur Befreiung Frankreichs bei.