Beruf und Familie
Charles de Gaulle tritt nach der Schule eine Offizierslaufbahn in der französischen Armee an. Er nimmt ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil und gerät in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich setzt er seine Militärkarriere fort.
Charles de Gaulle ist seit 1921 mit Yvonne Vendroux verheiratet. Mit ihr und den drei Kindern Philippe, Élisabeth und Anne führt er ein traditionelles Familienleben.
Der Appell vom 18. Juni 1940
Der Zweite Weltkrieg beginnt am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Im Mai 1940 greifen die Nationalsozialisten auch Frankreich an. Die französische Armee versucht den deutschen Angriff abzuwehren. Charles de Gaulle ist Kommandeur einer Panzerdivision und wird nun zum General befördert.
Als die französische Regierung unter Marschall Philippe Pétain kapitulieren will, hält Charles de Gaulle dies für eine falsche Entscheidung und flieht nach London.
Von London aus ruft er seine Landsleute am 18. Juni 1940 über den britischen Radiosender BBC dazu auf, mit ihm den Krieg gegen Deutschland fortzuführen und Widerstand zu leisten.
Befreiung Frankreichs
Charles de Gaulle und die Truppen der FFL sind an der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung und der Vichy-Regierung beteiligt.
Paris wird am 25. August 1944 befreit. Eine provisorische Regierung mit Charles de Gaulle als Oberhaupt wird eingesetzt.
Die französischen Truppen kämpfen an der Seite der Alliierten weiter und sind an der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus im Mai 1945 beteiligt.
Nach 1945
Charles de Gaulle tritt 1946 nach Konflikten mit den linken Parteien als Regierungschef zurück. 1958 wird er erneut zum Präsidenten gewählt und begründet die Fünfte Französische Republik. 1962 wird unter seiner Präsidentschaft der französischalgerische Krieg beendet. Algerien wird ein selbständiger Staat.
Als Staatschef treibt Charles de Gaulle die Zusammenarbeit mit Deutschland voran und tritt für ein starkes, von den USA unabhängiges Europa ein. 1969 beendet Charles de Gaulle seine politische Laufbahn, er stirbt 1970.
An Charles de Gaulle als Begründer der Résistance extérieure wird in Frankreich vielfältig erinnert, Straßen und Plätze tragen seinen Namen.
Die Résistance extérieure
Die Résistance extérieure (äußerer Widerstand) beginnt mit dem Appell von Charles de Gaulle am 18. Juni 1940 in London. Diese Form des Widerstands entwickelt sich zunächst unabhängig vom Widerstand im Landesinneren Frankreichs, der Résistance intérieure.
Um Charles de Gaulle versammelt sich nach und nach eine Exilarmee mit etwa 54.000 Soldaten, die Forces françaises libres (FFL, Freie Französische Streitkräfte). Viele Soldaten stammen aus den französischen Kolonien, die sich Charles de Gaulle anschließen. Diese Kolonien bilden das Territorium des Freien Frankreichs. Die FFL kämpfen an verschiedenen Kriegsschauplätzen gegen die deutsche Wehrmacht und ihre Verbündeten.
1942 erreicht Charles de Gaulle gemeinsam mit Jean Moulin die Verbindung der Résistance extérieure mit den unterschiedlichen Widerstandsbewegungen in Frankreich. Nach der Landung amerikanischer und britischer Streitkräfte in Nordafrika im November 1942 wird Algier in Algerien zur Hauptstadt des Freien Frankreichs. Daraus entsteht dort ein Jahr später die „Provisorische Regierung der Französischen Republik“ mit Charles de Gaulle als Präsident.
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Charles de Gaulle
Der nachfolgende Ausschnitt stammt aus der Originalfassung von Charles de Gaulles Rede. Die gesendete Version ist durch die britische Zensur abgeschwächt worden.
„Die Männer, die seit vielen Jahren an der Spitze der französischen Armeen stehen, haben eine Regierung gebildet.
Diese Regierung hat sich unter dem Vorwand der Niederlage unserer Armeen mit dem Feind in Verbindung gesetzt, um den Kampf zu beenden.
Gewiß, wir waren und wir sind überschwemmt von der technischen Übermacht des Feindes zu Lande und in der Luft.
Unendlich viel mehr noch als ihre Zahl haben uns die Panzer, die Flugzeuge, die Taktik der Deutschen zurückweichen lassen. Die Panzer, die Flugzeuge, die Taktik der Deutschen haben unsere Heerführer so überwältigt, daß sie dorthin gelangt sind, wo sie sich heute befinden.
Aber ist das letzte Wort gesagt? Muß die Hoffnung schwinden? Ist die Niederlage endgültig? Nein!
Glaubt mir, glaubt dem, der die Dinge kennt, von denen er spricht, und der euch sagt, daß für Frankreich noch nichts verloren ist. Dieselben Mittel, die uns überwältigt haben, können eines Tages den Sieg herbeiführen.
Denn Frankreich ist nicht allein! Es ist nicht allein! Es ist nicht allein! Es hat ein großes Weltreich hinter sich. Es kann einen Block bilden mit dem Britischen Empire, das die Meere beherrscht und weiterkämpft. Es kann, wie England, uneingeschränkten Gebrauch machen von der unermeßlichen Industrie der Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Dieser Krieg ist nicht auf unser unglückliches Mutterland beschränkt. Dieser Krieg ist nicht durch die Schlacht von Frankreich entschieden. Dieser Krieg ist ein Weltkrieg. Alle Fehler, alles Hinzögern, alle Leiden verhindern nicht, daß in der Welt die Mittel vorhanden sind, um eines Tages unsere Feinde zu vernichten. Obgleich wir heute von der technischen Übermacht zerschmettert sind, werden wir in der Zukunft durch eine überlegene technische Macht siegen können. Darin liegt das Schicksal der Welt.
Ich, General de Gaulle, zur Zeit in London, fordere die französischen Offiziere und Soldaten auf, ob sie sich mit oder ohne Waffen auf britischem Boden befinden oder befinden werden, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Ich fordere ebenso auf die Ingenieure und die Spezialarbeiter der Rüstungsindustrie, die sich auf britischem Boden befinden oder befinden werden.
Was auch immer geschehen mag, die Flamme des französischen Widerstandes darf nicht erlöschen und wird nicht erlöschen.
Morgen werde ich, wie heute, über Radio London sprechen.“
Appell vom 18. Juni 1940
Quelle: Bundesarchiv
Am 18. Juni 1940 wendet sich Charles de Gaulle über den französischsprachigen Sender der BBC an die Bevölkerung in Frankreich. Er ruft darin seine Landsleute dazu auf, mit ihm den Krieg gegen Deutschland fortzuführen und Widerstand zu leisten. Die Ansprache gilt bis heute als eine der zentralen historischen Quellen für die Geschichte der Résistance in Frankreich.